a786836489dab4f04d53706ec376ba50Erneuter Fahndungserfolg des HGV Vettweiß

1. Einleitung:

Die „Fahnder“ des Heimat- und Geschichtsvereins Vettweiß hatten nun zum dritten Male wieder Glück und konnten den mutmaßlichen Verlust von zwei Barockputten aufklären. Nach dem Auffinden des Glasgow-Fensters und dem alten Kirchentürschlüssels konnten die verloren geglaubten beiden Putten aufgefunden werden. In allen drei „Fahndungsfällen“ war es wieder unser Gründungsmitglied Dr. Hermann Josef Courth, der die entscheidenden Hinweise zu den vermissten Gegenständen gab bzw. als Initiator für die Suche anzusehen ist.

2. Was sind Putten?

Eine Putte ist in der Skulptur und Malerei in aller Regel eine Kindergestalt, die meist wenig bekleidet oder nackt dargestellt wird. Man sieht sie mit oder ohne Flügel. Das Wort selbst stammt aus dem italienischen und bedeutet in der Schreibform „putto“ Knäblein und lässt sich wie so viele Fremdwörter auf die lateinische Sprache zurückführen. Hiernach bedeutet „putus“ der Knabe.

3. Zur Vorgeschichte

Kapelle mit KreuzVon unserem Vereinsmitglied Dr. Hermann-Josef Courth wurde mit Datum vom 01.05.2014 eine Abhandlung über das wohl älteste historische Bauwerk in der Gemarkung Vettweiß geschrieben. Gemeint ist hiermit unsere Dreifaltigkeitskapelle aus dem Jahre 1680.
Bestandteil dieser Kapelle sind nach seinen Ausführungen insbesondere die zwei niederrheinischen Barockputten aus dem 17. Jahrhundert, die dort auf dem Altar gestanden haben. Die Bedeutung der beiden Engel als typische rheinische Arbeiten des Barock im ausgehenden 17. Jahrhundert, auch in der kirchlichen Kunst unserer Heimat, wurde von Pfarrer Meurer aus Rölsdorf in den 60er Jahren erkannt.
Da er für die Museums-Ausstellung „Kunstwerke des Monats“ damals Ausstellungsstücke besorgen musste, schaffte er die Plastiken aus unserer kleinen Feldkapelle zwischen Vettweiß, Gladbach und Kelz nach Düren ins Museum. Der Altar, den die Engel zierten, steht noch heute in der Kapelle. Allerdings sind die Plastiken schon früher davon entfernt worden. Soweit zu den Ausführungen unseres Dr. Courth.

4. Beschreibung der Putten

Wie Dr. Hermann-Josef Courth in seinem o.a. Bericht weiter ausführte, wurden die Putten auf diese Weise 1961 zum Kunstwerk des Monats erklärt. In der Dürener Zeitung vom 03.08.1961 wurden die Putten detailliert beschrieben. Wegen der dortigen sachlichen Darstellung wurde sie hier wörtlich wie folgt wiedergegeben:

Putten1Foto: Hans Theo Pütz 2015
„ Als Kunstwerk des Monats präsentiert das Leopold-Hoesch-Museum zwei Altar-Engel aus der Dreifaltigkeits-Kapelle in Vettweiß. Es sind typische Barockputten niederrheinischer Herkunft aus dem Ende des 17. Jahrhunderts. Ihrer Zweckbestimmung nach sind die beiden kleinen Holzplastiken – ihre Finger wurden weitgehend in Gips restauriert – einander zugewandt mit dem Blick zum Betrachter.
Die dichten Locken der Köpfe lassen die Stirn weitgehend frei. Der Mund ist zu einem kleinen Lächeln geöffnet und bringt die Pausbacken noch mehr zur Geltung. Stark gezeichnet sind die Brauen über den weit geöffneten Augen. Das Kinn zeigt, dem Geschmack der Entstehungszeit entsprechend, etwas Fettansatz. Die kleinen Stupsnäschen passen gut zu den Putten Köpfen.
In Schwebestellung, mit in den Knien angewinkelten Beinen, sind die beiden Engel mit weiten Umhängen in üppigem Faltenwurf bekleidet. Seitlich werden die Gewänder stark gerafft, durch ein farblich angedeutetes Band gehalten und zeigen in barocker Manier offenherzig die rundlichen, entblößten Arme und Beine und die Brust.
Im Faltenwurf ist das Gewand auch über den rechten Arm gelegt, während die Hand den mittleren Teil des Gewandes locker gegen die Brust drückt. Etwas plump wirken die Gliedmaßen, die massigen Unter- und Oberarme und die Beine. Farblich sind die beiden Putten einfach gehalten, die Gewänder blau, die freien Körperteile fleischfarben und die Backen leicht gerötet. Es dürfte sich allerdings wohl nicht mehr um die Originalfarben handeln".

5. Wo sind die vermissten Putten?

Nachdem nun seit vielen Jahren das Fehlen der Putten unserem Mitglied Dr. Courth bekannt ist, ergab sich für ihn die Frage nach deren Aufenthalt. Sollten sie etwa einem Diebstahl zum Opfer gefallen sein? Klar war für ihn, dass sie aus der Dreifaltigkeitskapelle aus Sicherheitsgründen in die Kirche gelangt sind. Für einen weiteren Verbleib in der allein im Feld gelegenen Kapelle waren sie zu wertvoll. Wie schnell hätten sie dort tatsächlich einem Diebstahl zum Opfer fallen können.
Doch wo sollten sie denn sein? Seine jahrelangen Nachforschungen stießen also bisher ins Leere. Sie befanden sich also weder in der Kapelle, im Pfarrheim oder in der Kirche. Schließlich wurde auch die langjährige Küsterin an St. Gereon, Frau Elisabeth Weber, in die Suche mit eingeschaltet.
Sie konnte zumindest zweifelsfrei bestätigen, dass die Putten jahrelang auf einem Schrank in der Sakristei gelegen haben. Auch sie wusste keinen anderen Rat und erklärte nach Überprüfung der Sakristei: „Wer weiß, wer sie sich unter den Nagel gerissen hat?“ Oder sollten sich die Putten auf wundersame Weise in den Himmel begeben haben wegen ihrer jahrelangen Missachtung in der Sakristei?
Mit dieser nicht weiterführenden Aussage musste sich Dr. Courth zunächst einmal schweren Herzens zufrieden geben, obwohl es ihn doch sehr wurmte. Alle von ihm diesbezüglich angesprochenen Personen konnten in der Folge keine sachdienlichen Angaben machen.

6. Der HGV Vettweiß wird in die Fahndung eingeschaltet

Im Dezember 2012 fassten vier Vettweißer Bürger den Entschluss, einen Heimat- und Geschichtsverein in Vettweiß zu gründen. Hierzu gehörten neben Dr. Courth noch Franz Erasmi, Günter Esser und Dirk Hürtgen. Mit Hilfe der örtlichen Presse wurde auf das Vorhaben entsprechend aufmerksam gemacht und zu einer Gründungsversammlung am 22.01.2013 eingeladen. Auf dieser Versammlung wurde der Verein dann schließlich ins Leben gerufen.
Hier entschied sich Unterzeichner dann, für den Verein die Archivarbeit und die Betreuung der Archivalien zu übernehmen. So kam es dann auch mit der Zeit dazu, dass sich zwischen Dr. Courth und mir regelmäßige Zusammenkünfte entwickelten, die immer neue zu bearbeitende Themen hervorbrachten.  Gerne wurde dabei auf das enorme und fundierte Wissen in seinen bereits vorliegenden Arbeitspapieren zurückgegriffen. Damit war dann auch quasi der Grundstein für gemeinsame „Fahndungsmaßnahmen“ nach historischen Gegenständen gelegt.
Nach einer gewissen Einarbeitungszeit entwickelte sich so sehr schnell ein schlagfestes Team, das auf vertrauensvoller Basis gerne zusammen arbeitete. Die ersten Erfolge stellten sich dann auch schnell ein. Hier darf insbesondere auf die überregionale und länderübergreifende Fahndung hinsichtlich des Weges des sogenannten Glasgow-Bildes oder die erfolgreiche Suche nach dem alten Kirchentürschlüssel von 1860 verwiesen werden.

Glasgow BildSchlüssel alte Kirche


Doch nun zurück zu den heiß begehrten Putten. Auch in den Handlungsabläufen eines Heimat- und Geschichtsvereins ist es ungemein wichtig, gerade im Zeitalter der Technik der Kommunikationsmittel und deren Wege den einfachen Weg des Gespräches miteinander zu suchen und zu pflegen. Auf diese Art und Weise wurden dann meine von Dr. Courth übernommenen Erkenntnisse aufgenommen und an andere Mitglieder in der Hoffnung transportiert, entscheidende Hinweise für den Verbleib der Putten zu erhalten. Auf dieser Informationsschiene wurde dann u.a. unser Mitglied Alfons Esser über den Sachstand der Putten informiert. Wie sich erst später herausstellte, sollte dieser Schritt eine entscheidende Rolle bei der späteren Auffindung spielen.
Fahndungsmaschinerie und Ermittlungspotential kamen gleichermaßen nun verstärkt in Gang und erinnerten Unterzeichner schon ein wenig an das große Vorbild Sherlock Holmes. Doch wollen wir es nicht übertreiben und unsere Kirche weiterhin in unserem Dorf lassen. Es zahlte sich in der Folgezeit immer mehr aus, dass die weitreichenden sozialen Netzwerke des Alfons Esser offenbar Licht ins Dunkle bringen könnten. Sollten die Putten an dem noch geheimen Aufenthaltsort über all die Jahre dem neu entflammten Fahndungsdruck erlegen sein? Es schien so, die Zeichen standen gut.
Alfons Esser geriet im Rahmen seiner Ermittlungen in seiner Eigenschaft als Ministrant bei Beerdigungen öfters in Kontakt mit dem hiesigen Bestatter, Herrn Stephan Schmitz. Dabei kam es natürlich beiderseits zu entsprechendem Gedankenaustausch. Diesem schilderte Alfons Esser dann, dass wir die Putten suchen und bat ihn, auf der Herrenseite als auch auf der Frauenseite, auf der auch die Toilette untergebracht ist, in den dort befindlichen Schränken einmal nachzusehen. Und genau hier in diesem Raum lagen die beiden Putten nach Auskunft von Herrn Schmitz auf einem Schrank.
Zwischenzeitlich war auch Pfarrer Gerd Kraus von Dr. Courth über das Auffinden der zwei Engel informiert worden. Er konnte jedoch hierzu keine Aussagen machen, da er noch nicht so lange zu unserer Pfarrgemeinde gehört.

Putten2
Kehren wir jedoch wieder zu Alfons Esser zurück, er ließ nicht locker im Bemühen um das Auffinden und wollte sich natürlich vom Vorhandensein der Putten im Vorraum persönlich überzeugen. Gemeinsam mit Pfarrer Kraus suchte er den Raum auf und fand die Bestätigung: Die lange vermissten Putten waren da und schlummerten leise vor sich hin.
Nun reifte der verständliche Plan, sie aus dem langjährigen „Winterschlaf“ heraus zu holen und einer Säuberung zu unterziehen. Dies geschah mit dem Ziel, sie fotografisch zu sichern und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.  Am 09.02.2015 war es dann soweit. In Gegenwart von der Küsterin Frau Giesen  wurden die beiden Putten nun fotografisch gesichert. Man darf gespannt sein, welchen Ehrenplatz sie einmal einnehmen werden. Denkbar wäre z. B. auch, sie dann vielleicht anlässlich der kommenden Dreifaltigkeitsprozession an der hiesigen Dreifaltigkeitskapelle kurzfristig in einem würdigen Rahmen zu präsentieren.

Putten3
Fazit der ganzen Recherchen: Der Heimat- und Geschichtsverein Vettweiß war erneut innerhalb von zwei Jahren erfolgreich bei der Suche nach sakralen Gegenständen: Glasgow-Bild, Kirchentürschlüssel und jetzt die Putten, die deutlich das älteste historische Requisit aus dieser Zeit um 1680 darstellen. Mit diesen Zwischenergebnissen können wir als noch junger Heimat- und Geschichtsverein sehr stolz und zufrieden sein und möchten bei dieser Gelegenheit allen danken, die bei der Mithilfe nach den Gegenständen geholfen haben.