Haltet die Landschaft sauber

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Heimatblätter
Beilage der Dürener Zeitung

Aufgelesen aus dem Jahre 1934

Haltet die Landschaft sauber
Von Bernhard Delhougne, Hauptlehrer in Vettweiß

 

Muell WaldAuf der Jubiläumstagung des Bundes für Heimatschutz wurde in einem Lichtbildervortrag eine sehr wirkungsvolle Gegenüberstellung gemacht. Es wurden zwei Lichtbilder aus den „Fliegenden Blättern“ gezeigt; das eine hatte die Überschrift: „Da können wir nicht lagern, da haben Schweine gewühlt“; das andere: „Hier können wir nicht wühlen, da haben Menschen gelagert“.

Das letztere sagt eine Bache zu ihren Frischlingen angesichts eines Lagerplatzes, der mit Käse- und Wurstpapier, Zigarettenschachteln, Eierschalen, Wursthäuten, Schokoladeverpackungen und anderen Überresten einer menschlichen Mahlzeit überschüttet war. Die Gegenüberstellung ist leider allzu berechtigt; denn fast alle unsere besuchten Aussichtspunkte und Lagerplätze bieten dieses Bild. Man wird hoffen dürfen, dass die heutige Jugend- und Volkserziehung es soweit bringt, dass die Verschmutzung unserer Landschaft mehr und mehr zurückgeht und schließlich ganz unterbleibt. Unsere Wandervereine und Schulen haben sich schon seit Jahren bemüht, die Menschen in diesem Sinne zu erziehen. Ein durchgreifender Erfolg dieser Bestrebungen ist aber noch nicht erreicht worden.

Muell FeldEine mindestens ebenso wichtige Aufgabe für ein Kulturvolk ist aber die, unsere heimische Landschaft nicht durch häusliche Abfälle und Kulturschrott aller Art zu verunzieren. Früher gab es fast nur irdenes Geschirr, dessen Bruchstücke auf die Wege geworfen werden konnten und so von selbst verschwanden. Das edle Zinngeschirr aber wurde von Geschlecht zu Geschlecht weitervererbt.

Heute haben wir die billigen Massenbüchsen aus Blech und Metall. Vielfach ist es nun so, dass diese Dinge, wenn sie ihre Schuldigkeit getan haben, bei irgendeiner Gelegenheit am Waldrand weggeworfen oder in eine Wildhecke hineingeschoben werden, damit man sie zu Hause los ist. Vielleicht noch beliebter ist es, da, wo es ein fließendes Wasser oder einen See gibt, diese Gegenstände ins Wasser zu werfen, so dass die Seeufer einen verheerenden Anblick gewähren und unsere Bäche den peinlichen Eindruck widerlicher Kloaken hervorrufen.

Es ist eines Kulturvolkes nicht würdig, seine Heimat, deren seelische Bedeutung für den Menschen wir wieder mehr und mehr schätzen müssen, so zu missbrauchen und herabzuwürdigen.

Fazit: Ein durchgreifender Erfolg, wie Bernhard Delhougne schon 1934 forderte, ist bis heute nicht erreicht worden. Im Gegenteil, wie die aktuellen Bilder aus der Gemarkung Vettweiß zeigen. Genau wie vor 90 Jahren, so würden sich die Wildschweine auch heute unterhalten.

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