Achim Klippstein

Achim Klippstein

Die erste Verbandssatzung stammt vom 29. Oktober 1914. Hiernach baute man die erste Wasserleitung entlang des Neffelbaches beginnend in Embken bis nach Nörvenich auf. Die Gemeinde Nörvenich stieß 1916 hinzu. Man hielt sich an das natürliche Gefälle des Neffelbaches und schuf eine so genannte Freispiegelleitung, wobei das Wasser im natürlichen Gefälle verteilt wurde. In Embken wurden mehrere Quellen erschlossen und über den Erdbehälter "Eulenberg" bei Füssenich zu den zu versorgenden Ortslagen verteilt. Das auch schon damals erforderliche Gutachten über die Wasserqualität und über die Wassermengen wurde vom Königlichen Kreisarzt Dr. Wex am 25.10.1913 vorgelegt.

Im Laufe der Jahre schlossen sich immer weitere Gemeinden an; so zuletzt die Orte Dorweiler und Pingsheim im Rahmen der kommunalen Neugliederung und schließlich die Ortschaft Vettweiß, die bis zuletzt eine Enklave darstellte. Vettweiß, Sitz des Wasserleitungszweckverbandes der Neffeltalgemeinden, war selbst kein Mitglied. Von 1936 bis 1948 wurde die Verbandsverwaltung in Nörvenich geführt, ehe sie nach Vettweiß wechselte.

Zu Beginn des Jahres 2013 wurde das Verbandsgebiet des WZV um die Ortschaften Wissersheim und Rath der Gemeinde Nörvenich erweitert und das komplette Gemeindegebiet Nörvenich wird somit seit dem 1. Januar 2013 durch den WZV versorgt. Zuvor erfolgte die Versorgung dieser beiden Ortschaften durch das Wasserwerk Wissersheim-Rath, welches zum 31.12.2012 aufgelöst wurde. Bereits seit dem Jahr 2008 nahm der WZV die technische und kaumfännische Betriebsführung für das Wasserwerk Wissersheim-Rath wahr.

Der Wasserleitungszweckverband der Neffeltalgemeinden wird seit seiner Gründung in der Rechtsform des Zweckverbandes nach dem Gesetz über kommunale Gemeinschaftsarbeit geführt. 1984 gliederte man nach den Vorschriften der Eigenbetriebsverordnung den Eigenbetrieb "Wasserwerk" ein, um auf eine kaufmännische Betriebsführung umstellen zu können.

Heute befindet sich der Sitz des WZV Neffeltal am Seelenpfad 1 in 52391 Vettweiß. Hier wurde am 08.05.2001 ein neues Betriebsgebäude (Verwaltung und Materiallager) bezogen. Der Umzug war seinerzeit notwendig geworden, da aufgrund einer Überprüfung durch das Gewerbeaufsichtsamt der WZV gezwungen war, sein bisheriges Betriebsgebäude grundlegend zu sanieren. Nach einer Bedarfsprognose durch einen Sachverständigen wurde ersichtlich, dass ein Neubau erheblich günstiger als die Sanierung werden würde.

Quelle

Zeitungsarchiv des Kreis- und Stadtarchivs Düren.

1. Juni 1864

Reparatur der sechs Gemeindebrunnen in Vettweiß.

19. Dezember 1874

Anlage eines Brunnens an der Vikarie in Vettweiß.

3. Juli 1915

Ortstatut über die Abgabe und Erhebung von Wassergeld betr. Das Wasserwerk der Gemeinde Vettweiß.

25. September 1950

Wasserleitung im Amtsbezirk Vettweiß. Hochbehälter auf dem Ginnicker Sandberg.

5. Januar 1951

Neue Wege der Wasserversorgung [Amt Vettweiß] Hochbehälter bei Ginnick.

12. Mai 1951

Es geht um das köstliche Nass. Schrittweise Verbesserung der Wasserversorgung [Amt Vettweiß].

26. April 1952

Planung für ein Großwasserwerk abgeschlossen [Amt Vettweiß].

28. April 1952

Großwasserwerk ist billiger. Erweiterung des Wasserleitungszweckverbandes Neffeltal.

25. September 1952

Endlich Großwasserverband gebildet. 23 Gemeinden aus den Ämtern Vettweiß und Nörvenich angeschlossen.
Wasserverband Neffeltal [Ämter Nörvenich und Vettweiß] vor neuen Aufgaben.

20. Mai 1953

Wasser für acht Gemeinden. Planungen für zentrale Wasserversorgung im Amtsbezirk Vettweiß Gladbach.

31. Mai 1954

Zur Sicherung der Wasserversorgung. Wasserleitungszweckverband Neffeltal plant Brunnenanlage bei Embken.

16. Juni 1954

Wasser wird einmal teurer als Kohle. Neue Verzögerung für den Bau einer zentralen Wasserversorgung im Amt Vettweiß.

17. Juni 1954

Wasserversorgung für acht Gemeinden. Erste Maßnahmen des Zweckverbandes "Neffeltal".

7. August 1954

Wasseruhren werden doch eingebaut. Verbandsausschuß des Wasserleitungszweckverbandes Neffeltal tagte.
Bau der Embkener Pumpstation steht bevor.

16. Dezember 1954

Bedroht Grundwassersenkung das Neffeltal?
Bald Wasser aus der Wand für den ganzen Ostkreis Wasserverband Neffeltal.
2,5 Millionen-Projekt in der Vorbereitung. Sitzung des Zweckverbandes [Wasserverband Neffeltal].

14. Januar 1955

Grundwasserspiegel wird beobachtet. Keine Befürchtungen für den Wasserleitungszweckverband Neffeltal.

7. Februar 1955

Arbeiten für Bau des Wasserturms zwischen Embken und Ginnick vergeben.
Wassergeld um 10 Pfennig erhöht. Haushalt des Wasserleitungszweckverbandes Neffeltal ausgeglichen.

1. April 1955

Neue Pumpstation bei Embken in Betrieb. 19 Meter hoher Wasserturm im Bau.

23. Juni 1955

Gesamter Ostkreis bis Ende 1955 ohne Wassersorgen. Zweckverband Neffeltal verabschiedete Haushaltspläne.
45 Kilometer Rohrleitungen werden gelegt. Verbandsausschusssitzung des Wasserleitungszweckverbandes Neffeltalgemeinden.

11. August 1955

Ein Meisterwerk des Wasserversorgung. Pumpstation Embken in Betrieb (mit Fotografie).

18. April 1956

Den Karren nicht im Dreck stecken lassen. Zweckverband der Neffeltalgemeinden erhöhte Wassergebühren.

31. Oktober 1956

Wasser wird doppelt so teuer. Vettweiß muss Spitzenbedarf vom Wasserleitungszweckverband Neffeltal decken lassen.

31. Januar 1957

In Zukunft keine Wassersorgen mehr. Wasserleitungszweckverband Neffeltalgemeinden gab Rechenschaftsbericht.
20.000 DM gehen dem Verband verloren. Wasserleitungszweckverband Neffeltalgemeinden.

21. Februar 1957

Vettweiß erhöhte die Wasserpreise.

6. Juni 1957

Vettweiß musste Steuern erhöhen. Auch Wasserpreis wurde verdoppelt.

28. Juni 1957

Das Werk steht - das Wasser läuft. Sitzung des Wasserleitungszweckverbandes Neffeltal.
Die Bevölkerung ist nicht wasserfreudig genug. Lebhafte Verbandssitzung beim Wasserleitungszweckverband Neffeltal.

2. November 1957

Vierter Bauabschnitt wird begonnen. Wasserleitungszweckverband der Neffeltalgemeinden schließt Kauweiler an.
Wassermarsch aus den Kreiselpumpen. Wasserleitungszweckverband Neffeltal schloss eine 3.3 Millionen Dlvl-Projekt ab (mit Fotografie).

23. Dezember 1957

Steigende Tendenz mit den Einnahmen. Größerer Wasserverbrauch in den Neffeltalgemeinden
Steigende Einnahmen durch Wasserverbrauch. Zweckverband Neffeltal.

13 Februar 1958

Neffelverband muss mehr zahlen. Zusätzliche Belastung für die Mitglieder.

26. August 1958

Gebührensenkung heißt die Parole. Wasserleitungszweckverband Neffeltal gab Rechenschaft.

27. August 1958

In den Neffeltalgemeinden Wasserzweckverband senken die Gebühren.

24. Februar 1959

Sorgen der Wasserversorgung. Vettweißer wägt Beitritt zum Zweckverband der Neffelta1gemeinden.
Vettweiß: Das Wasser reicht nicht mehr aus". Amtsdirektor empfahl Beitritt zum Zweckverband der Neffeltalgemeinden.

16. April 1959

Vettweiß: Wassergebühren noch nicht gesenkt. Zweckverband erließ Nachtragsetat.

18. Januar 1960

Vettweiß: Rat ruft zum Ehrenmal-Spende auf. Keine Beihilfen für Wasserwerk Sanierung. Volksschule wird erweitert.
Vettweiß: Der Rat erbat Bedenkzeit. Wasserwirtschaftsamt empfiehlt Beitritt zum Wasserleitungszweckverband der Neffeltalgemeinden.

7. Mai 1960

Hydranten nur für die Feuerwehr. Wasserleitungszweckverband der Neffeltalgemeinden mit Fehlbedarf.

10. November 1960

Verbandsgebiet wird erweitert. Planungsarbeiten zum Ausbau des Neffelbaches vergeben.

19. Juni 1961

Vettweiß: Der Rater bat Bedenkzeit. Noch keine Stellungnahme zum Anschluss an den Wasserleitungszweckverband Neffeltal.

9. November 1961

Vettweiß: Wollen unser prima Wasserbehalten. Gemeinde sträubt sich gegen Anschluss an Zweckverband.
Vettweiß: Gemeinderat diskutierte Wasserfrage.

22. November 1961

Vettweiß: Wasseruhren werden eingebaut. Gemeinde Wasserwerk soll selbständig bleiben.
Vettweiß: Rat für eigene Wasserversorgung.

26. Januar 1962

Vettweiß: Sorgen mit dem Wasserwerk.

17. Februar 1962

Vettweiß: Schlechtes Beispiel einer Gemeinde. Wasserpreis soll Vettweiß in die Knie zwingen.

17. Mai 1962

Vettweiß: Für bessere Wasserversorgung.

11. Juli 1962

Vettweiß: Anschluss an Neffelbachverband erneut abgelehnt.
Vettweiß will sein Wasserwerk. Beitritt zum Zweckverband erneut abgelehnt.

13. Juli 1962

Vettweiß: Beitritt zum Verband Neffeltal erneut abgelehnt.

23. Juli 1962

Vettweiß: Ein Brief an Dr. Franz Meyers. Streit um das Wasserwerk jetzt auf höchster Ebene?
Vettweiß: Gemeinderat schrieb an Ministerpräsidenten wegen Wasserversorgung.

21. September 1962

Vettweiß hält neuen Sportplatz. Gemeindegrenzen werden geändert. Arbeiten zur Sanierung des Wasserwerks.
Vettweiß: Sanierung der Wasserleitung kostet 250.000 DM.

12. November 1962

Vettweiß: Wieder Debatten um das Wasserwerk.

14. November 1962

Vettweiß: Wasserfrage stand im Mittelpunkt.

15. Dezember 1962

Es geht um die Wasserversorgung in Vettweiß.

27. Dezember 1962

Letzte Konsequenz: Vettweiß das Kränchen «zudrehen». Zweckverband will letztmalig verhandeln.
Vettweiß den Hahnzudrehen. Wasserleitungszweckverband will den Beschluss durchsetzen.

28. Dezember 1962

Zweckverband Neffeltal bauen zwei neue Brunnen.

19. Juni 1961

Vettweiß: Sorge um Wasserversorgung. Leitungsnetz ist erneuerungsbedürftig.

12. Januar 1963

Vettweiß: Sanierung bringt Überschuss. Ratsmitglieder zum "Vettweißer Wasserkrieg.
Vettweiß: Die Denkensart ist absurd. Stellungnahme zur Wasserfrage.

13. Januar 1963

Vettweiß: Die Denkensart ist geradezu absurd. Zum Problem der Wasserversorgung.

19. Januar 1963

Vettweiß: Kirchturmspolitik in der Wasserversorgung.

24. Januar 1963

Vettweiß: Verbandseintritt wird sich lohnen. Wasserleitungszweckverband Neffeltal.

25. Januar 1963

Vettweiß: Amtsdirektor Braun:

18. April 1963

Millionenprojekt im Neffeltal. Ausbau von Ringleitungen in den Gemeinden des Amtes Vettweiß.

8. Mai 1963

Vettweiß: Sorgen um die Wasserversorgung.
Vettweiß: Rat entschied sich für Wasseruhren. Aus der Ratssitzung.
Vettweiß: Einbau von Wasseruhren beschlossen.

Quelle

Zeitungsarchiv des Kreis- und Stadtarchivs Düren.
29. Jul. 2013 in Vettweiss 0 Kommentar

Datum: 29.07.2013

Leben auf dem Land. Waren Sie schon mal in der Gemeinde Vettweiß? Nicht nur durchgefahren so wie die Meisten, sondern hingeschaut, mitgemacht, dabei gewesen, sich wohlgefühlt, wiedergekommen, Freunde gefunden, dageblieben?

Sie sind herzlich eingeladen.  Josef Kranz BürgermeisterJosef Kranz (Hauptamtlicher Gemeindebürgermeister von 1999 - 2015)

9000 Gesichter sind es mittlerweile, die sich hier nieder gelassen haben. Gemeinschaftssinn, Eigeninitiative, bürgerschaftliches aktives Tun und Handeln, Vereinsleben in allen Variationen in und an jedem Wohnplatz, engagierte lebensfrohe Menschen verteilt auf elf Ortschaften, drei Weilern und vielen Aussiedlerhöfen,  verteilt auf 83 qkm Fläche. Die offene Landschaft der Börde im Zentrum mit nach wie vor intensiver Landwirtschaft, das reizvolle Neffeltal im Osten mit einer Vielzahl von Burgen aufgereiht am Neffelbach und das Drover Tal im Westen mit der Artenvielfalt  der Drover Heide (eigentlich Sollener Heide, denn sie liegt zu 90 % in der Gemeinde Vettweiß) ehemals Truppenübungsplatz jetzt Fauna, Flora Habitat und Vogelschutzgebiet spiegeln den groben Überblick und die unterschiedlichen Charaktere wieder.

Und wenn Sie näher hinschauen, sich für Land und Leute interessieren, mit den Menschen sprechen, die hier seit je her ihre Heimat haben und diejenigen, die sich in diesem Raum neu angesiedelt haben, so werden Sie die unterschiedlichsten Meinungen und Ansichten finden, weshalb man in der Gemeinde Vettweiß lebt und wohnt.
(Der römische Töpfermeister) Verecundus, die römische Wasserleitung, Burgenstandorte, römische Gutshöfe, literarische Chroniken machen deutlich. Die Kelten, die Römer, die Franken, die Franzosen, die Amerikaner, alle waren schon hier und haben ihre Spuren hinterlassen.

Welche Spuren hinterlässt der Wechsel in das 3. Jahrtausend nach Christi, wenn wir den Bogen weiter spannen wollen. Vettweiß als Karnevalshochburg für die Damenwelt? Ernsthaft! Was hat sich getan, was hat sich verändert, was ist passiert in diesem Landstrich in den vergangenen Jahrzehnten?
Die Gemeinde Vettweiß ist nicht nur Einwohner bezogen gewachsen, sie ist vor allem zusammen gewachsen und hat sich intensiv darum bemüht, die dörflichen Strukturen möglichst nicht zu verlieren.

Sie hat auch aufgrund der latent vorhandenen finanziellen Probleme nicht jeden Zeitgeist aufgegriffen, sondern mit Bedacht eine Entwicklung verfolgt, die die Menschen aktiv in die Gestaltung ihres Lebensraumes, ihrer Heimat mit eingebunden hat. Viele Opfer, hohe Gebühren mussten erbracht werden, um finanziell überleben zu können. Diese nicht einfachen Jahre haben aber nachhaltig den Gemeinschaftssinn und das aktive Tun und Handeln vor Ort gestärkt. Gemeinschaft und Gemeinschaftssinn, Eigenverantwortung, aktives Tun und Handeln werden gefordert und gefördert. Rund 95 Vereine kümmern sich und prägen das Leben in unseren Dörfern. Man kennt sich, hilft sich gegenseitig, klönt, feiert, trauert miteinander.

Kinder, Jugendliche haben es nicht einfach in der heutigen Zeit. „Vröje, vröje ...“, wenn die Alten so erzählen „… hött et dat net jejovve“ Früher konnte man im ländlichen Raum ungezwungen seinem Spieltrieb, den weitaus geringeren Freizeitangeboten ungezwungen nachgehen. Schabernack und auch Unsinn treiben. Heute in der Internetwelt mit einer Vielfalt an Angeboten und in Strukturen aufgewachsen, die den Themen Erziehung, Bildung und Familienleben nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet haben, ist es umso wichtiger im ländlichen Raum, die in vielen Bereichen noch vorhandene so genannte heile Welt weiter mit Leben zu erfüllen. Die Kommune muss hier mittlerweile bedeutend mehr Präsenz und Initiativkraft entwickeln, um weg brechende Familienstrukturen zu ersetzen. Deshalb haben Kindergärten, Schulen, Jugendtreffs, Vereinsarbeit in der gemeindlichen Arbeit hohe Priorität und kennzeichnen auch im ländlichen Raum den Weg in das neue Jahrtausend.

Sind sie schon mal über Vettweiß geflogen. Nein, nicht mit LTU von Köln-Bonn nach Gran Canaria und auch nicht mit einem Eurofighter vom Fliegerhorst Nörvenich aus, sondern mit einer Cesna oder einem Ultraleichtflugzeug. Zwischen Jakobwüllesheim und Soller steigen sie  fast täglich in den Himmel und schweben schön langsam über unsere Gemeinde. Wenn nicht, sollten Sie es alsbald mal tun und sie werden feststellen, es gibt vieles zu bewundern im Vettweißer Land. Sie haben dort oben zwar nicht den unmittelbaren Kontakt zu den Menschen aber sie werden sehen, in der Gemeinde Vettweiß sind die Strukturen klar und deutlich geordnet.

Ein üppiges Straßennetz von Bundes- und Landstraßen durchkreuzt die Gemeinde von West nach Ost von Nord nach Süd. Die Städter wollen in die Eifel, die Arbeitssuchenden in die Städte. Alle fahren sie durch die Gemeinde Vettweiß. Einige haben dabei festgestellt, dass man ja auch hier leben kann und sind geblieben. Vielleicht gehört auch deshalb die Gemeinde Vettweiß zu den Gemeinden, die am stärksten wächst. Das gut ausgebaute Straßennetz zieht den Verkehr magisch an und die vor Jahren geplante aber nie realisierte A 56 zwischen Euskirchen und Düren wird schmerzlich vermisst. Die Leidtragenden sind die Bewohner an den Ortsdurchfahrten Soller und Kelz, die sehnsüchtig auf ihre Umgehungsstraßen warten.

Sie sehen eine Unzahl von Wirtschaftswegen, über 300 km, gepflastert, geteert, in Schotter und Gras. Das Erschließungsnetz für unsere Landwirtschaft und ein Paradies für Radfahrer, die die Überwindung von Höhenunterschieden meiden und den Blick in die Weite der Landschaft zwischen Jakobwüllesheim, Kelz und Vettweiß schweifen lassen möchten. Sie staunen über eine gepflegte Kulturlandschaft, die in mehreren Flurbereinigungsverfahren in den 70-iger, 80-iger und 90-iger Jahren wohl geordnet wurde und mit immer größer werdenden Maschinen bewirtschaftet wird. Der Wandel der Landwirtschaft ist auch vor hier oben nachhaltig feststellbar. Die Anzahl der Betriebe sinkt stetig, die zu bewirtschaftende Fläche steigt kontinuierlich, um auch in der Zukunft mit Getreide-, Mais-, Kartoffeln- und Rübenanbau überleben zu können. Einige Landwirte haben sich auch verstärkt dem Gemüseanbau verschrieben. Das Pferd hat die Kuh verdrängt. Pferdezucht, das Reiten auf dem Bauernhof hat Einzug gehalten. Die früher in jedem Ort vorhandenen ortsnahen Wiesen für den Tierbestand sind stark zurück gedrängt worden.  Milchwirtschaft ist nur noch vereinzelt feststellbar.

Sie erkennen den Neffelbach der sich durchs entsprechende Tal windet mit den beschaulichen Wohnplätzen Sievernich, Disternich, Müddersheim, Gladbach und Lüxheim, mit den angrenzenden Waldbeständen und den sehenswerten Burgen in den einzelnen Ortschaften. Deutlich sichtbar am Ortsrand von Disternich östlich der Hallenburg das Areal des Gestüts  Schlenderhahn mit seinen großen Weideflächen und schönen Pferdekoppeln.
Relativ gut erkennbar sind im Westen der Gemeinde die Spuren, die Panzer Jahrzehnte lang in die Drover Heide gezogen haben und in deren verdichteten Mulden sich nun Amphibien und Kröten wohl fühlen und seltene Tier- und Pflanzenarten erhalten und angesiedelt sind. Nicht nur für die Bewohner der Ortschaften Soller, Froitzheim und Frangenheim ist dieses Gebiet ein Kleinod, welches unmittelbar vor ihrer Haustür liegt und in das nicht nur sie zu recht nunmehr auch Einlass gefunden haben, nachdem Jahrzehnte lang Manöver in und um die Drover Heide das Leben in dieser Region der Gemeinde mitbestimmt haben.

Hoch gelegen, wie sich das für einen Wasserturm gehört, am Rande der Voreifel, erkennt man den Wasserturm Ginnick, der gleichnamigen Ortschaft vorgelagert am Rande des Ginnicker Waldes und des angrenzenden Stufenländchens mit den Naturschutzgebieten „Ginnicker Bruch“, „Bies Berg“ und „Großen Berg“.  Ein Besuch dieser Region lohnt allenthalben, nicht nur weil man vor dort aus bei klarer Sicht das Siebengebirge fest ins Visier nehmen kann, auch der südliche Waldrand hinter dem Sportplatz Ginnick mit seiner Aussicht auf das Stufenländchen mit seinen gold glänzenden Rapsfeldern wird Sie bei einer Radtour für die zu überwindenden Höhenmeter entschädigen.

Und wenn es schon ein bisschen dämmert bei Ihrem Rundflug über die Gemeinde Vettweiß können sie in den Sommermonaten auf Dorfplätzen, Straßen, Hausgärten quer durch alle Ortsteile gesellige, nachbarschaftliche Aktivitäten der dort lebenden Menschen feststellen. Lichterketten, Grillfeuer, Musik und reges Treiben zeugen davon, dass es hier und dort und fast überall immer etwas zu feiern gibt. Ob nun mit  der Familie, der Nachbarschaft, im Verein, als Straßenfest, als Kirmes, Sportwoche oder Schützenfest. Gründe gibt es genug, Miteinander das Leben auf dem Lande zu genießen und das nicht nur im Sommer. Der Kulturkalender der Vereine in den einzelnen Ortschaften ist reich gespickt mit den unterschiedlichsten Veranstaltungen vom Theater bis zum Karneval, vom Schützenfest bis zum Jugendball, vom Weihnachtsbasar bis zur Sportwoche, vom Traktorfest bis zur Herbstjagd. Und die in jedem Ort vorhandenen Vereinshäuser, Bürgerbegegnungsstätten, Sportheime, Turnhallen, Sportplätze bieten nicht nur die ideale Möglichkeit seinem Hobby zu frönen, sondern auch in der Gemeinschaft das soziale und gesellige Miteinander, das unsere Dörfer prägt,  zu stärken und zu pflegen.
Schade, dass es dunkel wird. Wir könnten durchaus noch mal ein, zwei Runden drehen, denn es gibt noch so vieles zu sehen und zu bestaunen in einer Landgemeinde wie Vettweiß und das nicht nur aus der Vogelperspektive. Aber machen Sie doch selber mal die Erfahrung, erkunden Sie das Vettweißer Land. Sie sind herzlich eingeladen.

Josef Kranz
Hauptamtlicher Gemeindebürgermeister von 1999 - 2015

Seite 24 von 24
Aktuelle Seite: Start - Geschichte - Gebäude und Denkmäler - Achim Klippstein